Studium Oecologicum
Nachhaltigkeit ist an der TU Dortmund längst nicht mehr nur ein Leitbild. Sie zeigt sich an konkreten Orten auf dem Campus und adressiert unterschiedliche Handlungsfelder von der Lehre über die Forschung bis zum Betrieb. Dennoch bleiben viele dieser Orte unsichtbar. Wer nicht gezielt nach ihnen sucht, geht oft achtlos an ihnen vorbei. Hier setzt die Seminarreihe „TU Was! Nachhaltigkeit auf dem Campus sichtbar machen” an. Sie sensibilisiert Studierende, Beschäftigte und Besucher*innen für die unterschiedlichen Dimensionen der Nachhaltigkeit und trägt so zur Wertschätzung und Weiterentwicklung der Nachhaltigkeitsbestrebungen der TU Dortmund bei.
Im ersten Durchgang des Seminars im Sommersemester 2026 identifizierten die Teilnehmenden in Kleingruppen nachhaltige Orte auf dem Campus und arbeiteten deren Beitrag zur Nachhaltigkeit heraus. Die Ergebnisse hielten sie auf drei Infotafeln fest, die sich an die breite Öffentlichkeit richten.
Damit leistet die Seminarreihe einen Beitrag zum Whole-Insitution-Appraoch: Diesem Ansatz folgend wird Nachhaltigkeit in allen Bereichen der Hochschule (Lehre, Forschung, Transfer, studentisches Engagement, Steuerung und Betrieb) gleichermaßen verankert (Helling 2025).
Die im Seminar entstandenen Texte werden auf dieser Seite gesammelt. Im Wintersemester 2026/2027 findet ein weiteres Seminar statt, sodass langfristig eine wachsende Übersicht nachhaltiger Orte auf dem Campus entsteht.
Ein Miniwald als Ort für Zuflucht, Dialog, Umweltforschung und Akademische Freiheit.
Direkt in der Nähe des Internationalen Begegnungszentrums (IBZ) am Nordcampus der TU Dortmund befindet sich das Projekt „Garden(s) of Refuge” der Academy in Exile (AiE). Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen angewandten Studiengängen, der AiE und der Hokido-Kita (Heetpaß 2026). Es verbindet die Menschenrechtsarbeit der AiE mit der raumplanerischen Forschung von „Smart Urban Areas” und unterstützt Wissenschaftler*innen, die aufgrund ihrer Tätigkeiten in der Forschung oder zivilgesellschaftlichen Engagement verfolgt werden (Academy in Exile o.J).
Für den unter der Leitung von Prof. Dr. Agnew angelegten Garten, welcher als Mikrowald oder „Tiny Forest“ bezeichnet wird, wurden nach der Miyawaki-Methode zahlreiche heimische Arten angepflanzt (Academy in Exile o.J.). Das Besondere an dieser Methode ist, dass drei bis fünf Pflanzen anstatt der üblichen einen Pflanze pro m² eingesetzt werden (Heetpaß 2026). Diese dichte Bepflanzung lässt im Zusammenspiel mit einer gezielten Bodenverbesserung innerhalb weniger Jahrzehnte ein reifes Ökosystem entstehen (Lewis, Hawken 2022: 11f.). Das Gelände war zunächst mit Bauschutt übersät und wurde 2024 erstmals bearbeitet (Mein Garten 2026, Academy in Exile o.J.). Auf die Pflanzung von knapp 1.000 Gewächsen im November 2025 folgte im März 2026 eine Erweiterung um circa 350 Pflanzen (Mein Garten 2026). Da die Pflanzen mittlerweile gesetzt sind, benötigen sie noch etwa drei Jahre Pflege, bevor sie schließlich selbstständig und klimaresistent wachsen können (Heetpaß 2026). Im Anschluss an diese Phase reguliert sich das dicht bewachsene Areal vollständig von selbst, sodass sich die Fläche langfristig zu einem kleinen, ökologisch wertvollen Wald entwickelt. Neben biologischen Vorteilen wie einer hohen CO₂-Bindung stärkt das Konzept den sozialen Zusammenhalt, da die lokale Gemeinschaft altersübergreifend aktiv in die Pflanzung eingebunden wird (Lewis, Hawken 2022: 11f.).
Auch für die Lehre, für Forschung und Bildung soll der Garten genutzt werden (Academy in Exile o.J.). Einer der Forschungspunkte konzentriert sich auf den Vergleich der Miyawaki-Methode mit anderen herkömmlichen Anbaumethoden (Heetpaß 2026). Ebenfalls soll mithilfe von Messgeräten die akustische Umgebung des Gartens erschlossen werden (Academy in Exile o.J.). Da die Hokido-Kita direkt an den Garten angrenzt, können die Kinder der Einrichtung den Ort aktiv erleben und schon früh an Themen rund um das Ökosystem Wald herangeführt werden (Heetpaß 2026).
Darüber hinaus werden durch das angeschlossene „Oral History“-Projekt Aspekte der sozialen Nachhaltigkeit im Kontext des Gartens aufgegriffen. Es erzählt die Geschichten der AiE-Mitglieder*innen mithilfe von QR-Codes, die direkt an einzelnen Bäumen angebracht sind. Im Gegensatz zum restlichen Mikrowald handelt es sich bei diesen Bäumen nicht um heimische Arten; stattdessen stammen sie aus den Herkunftsländern der Mitglieder*innen des Projekts (Heetpaß 2026). Die aufgezeichneten Erzählungen sind dabei Teil der Ausstellung „What Grew at Home“, in welcher sich die Teilnehmer*innen intensiv mit Pflanzen aus ihrer jeweiligen Heimat auseinandersetzen (ebd.).
Nicht nur vor Ort, auch digital ist der Garten erreichbar. Mithilfe von Drohnenaufnahmen und Geodaten konnte der Garten detailliert innerhalb des Videospiels „Minecraft” nachgebaut werden. Die „What Grew at Home” Ausstellung ist ebenfalls in diesem digitalen Zwillingsgarten enthalten (Academy in Exile o.J.).
Insgesamt verbindet das Projekt mehrere Dimensionen der Nachhaltigkeit: den ökologischen Naturschutz, die soziale Unterstützung gefährdeter Menschen und die wissenschaftliche Bildung über verschiedene Altersgruppen hinweg.
Literaturverzeichnis:
- Academy in Exile (o.J.): Academy in Exile. Verfügbar unter: https://www.academy-in-exile.eu/ [Zuletzt abgerufen am 13.07.2026].
- Mein Garten – Projekt Plattform des IGA 2027 (2026): Verfügbar unter: https://www.meingarten.iga2027.ruhr/projektkarte-100-wohngaerten/details-100-wohngaerten/academy-in-exiles-gardens-of-refuge/ [Zuletzt abgerufen am 13.07.2026].
- University of Cincinnati (o.J.): Garden Of Refuge - Shared Spaces for Fostering Community. Verfügbar unter: https://ucgorlab.org/ [Zuletzt abgerufen am 13.07.2026].
- Lewis, Hannah; Hawken, Paul (2022): Mini-forest revolution. Using the Miyawaki method to rapidly rewild the world. Chelsea Green Publishing, White River Junction, Vermont; London, UK.
Interview:
- Kira Heetpaß (22.06.2026)
Von Mehrweg bis Klimateller: für einen nachhaltigeren Mensaalltag.
Die Hauptmensa der TU Dortmund befindet sich direkt auf dem Campus, neben dem Mathetower. Bestehend aus der Mensa im ersten Geschoss und dem Foyer im Erdgeschoss bietet sie dabei Platz für rund 1300 Gäste (TU Dortmund o.J.a). Sie liegt gut erreichbar in fußnähe von Bus und S-Bahn, einem großen Parkplatz, sowie der Haltestelle Campus-Nord der H-Bahn (TU Dortmund 2026).
Die Hauptmensa ist in einigen Aspekten der ökologischen Nachhaltigkeit aktiv. Zum einen gibt es täglich mehrere Gerichte, von denen mindestens zwei vegan sind (Schalyo 2026). Ebenfalls gibt es viele vegetarische Angebote, vegane Snacks und größtenteils pflanzliche Beilagen (ebd.). Dieses Angebot wurde von PETA 2025 mit 4/5 Punkten ausgezeichnet, wobei sich die Hauptmensa 2026 auf den 2. Platz der Rangliste hocharbeiten konnte (ebd.). PETA bewertete unter anderem das Vorhandensein eines veganen Angebots und wie gut dieses in die allgemeine Gerichtsauswahl integriert wurde (ebd.). Auch regelmäßige Aktionen wie die „Nachhaltigkeitswochen” und der „Veganuary” zeigen die strategische Ausrichtung der Mensa (ebd.). Ebenfalls setzt die Hauptmensa auf regionale Produkte und reduziert Lebensmittelabfälle (STWDO 2026a).
Eine weitere Besonderheit ist der „Klimateller”, der ebenfalls zur ökologischen Nachhaltigkeit beiträgt. Dieses Gericht wird täglich in der Hauptmensa angeboten (STWDO 2026b). Der Klimateller ist ein Gericht, dass verglichen mit anderen Gerichten mindestens 50% weniger CO2e Emissionen (CO2e = Klimawirkung verschiedener Treibhausgase ausgedrückt in CO2-Äquivalenten) verursacht (Klimateller 2026). Dieser Klimateller wird in vielen verschiedenen Mensen angeboten und schafft so ein Bewusstsein für eine klimafreundlichere Ernährung (ebd.).
Die Hauptmensa arbeitet auch mit Aspekten der sozialen Nachhaltigkeit. Zum einen gibt es ein kostenloses Kindermenü für Besucher*innen unter 10 Jahren (Stabsstelle Chancengleichheit, Familie und Vielfalt o.J.), ebenso eine kleine Spielecke, die mit Spielzeug und bunten Sitzmöbeln ausgestattet ist (STWDO 2026b). Des Weiteren gibt es einen Begleitservice für Gäst*innen mit Handicap, der Hilfe beim Tragen des Tabletts oder bei der Orientierung in der Einrichtung anbietet und einen Still- und Wickelraum im Mensa-Foyer (ebd., TU Dortmund o.J.b). Ebenfalls befindet sich ein Aufzug im Foyer, der Gäst:innen direkt in die Mensa befördert (STWDO 2026b).
Die Hauptmensa der TU Dortmund verbindet somit mehrere Dimensionen der Nachhaltigkeit, durch unter anderem ein ökologisch wertvolles Angebot sowie verschiedene soziale Unterstützungen für die Besucher*innen.
Literaturverzeichnis:
- KlimaTeller (o.J.): KlimaTeller in der Mensa. Verfügbar unter: https://www.klimateller.de/klimateller-in-der-mensa [Zuletzt abgerufen am 08.07.2026].
- STWDO - Studierendenwerk Dortmund (2026a): Nachhaltigkeit im Studierendenwerk. Verfügbar unter: https://www.stwdo.de/ueber-uns/nachhaltigkeit/ [Zuletzt abgerufen am 08.07.2026].
- STWDO - Studierendenwerk Dortmund (2026b): Hauptmensa. Verfügbar unter: https://www.stwdo.de/mensa-cafes-und-catering/hauptmensa [Zuletzt abgerufen am 08.07.2026].
- Stabsstelle Chancengleichheit, Familie und Vielfalt TU Dortmund (o.J.): Verfügbar unter: https://stabsstelle-cfv.tu-dortmund.de/familie/familien-service/mit-kindern-auf-dem-campus/kostenloses-kindermenue/ [Zuletzt abgerufen am 08.07.2026].
- TU Dortmund - Technische Universität Dortmund (o.J.a): Verfügbar unter: https://www.tu-dortmund.de/campus/mensen/ [Zuletzt abgerufen am 08.07.2026].
- TU Dortmund - Technische Universität Dortmund (o.J.b): Verfügbar unter: https://sbv.tu-dortmund.de/arbeitsplatz/begleitservice-in-der-mensa/ [Zuletzt abgerufen am 08.07.2026].
- TU Dortmund - Technische Universität Dortmund (2026): LAGEPLAN TU DORTMUND – CAMPUS NORD UND SÜD. Verfügbar unter: https://dortmunder-hochschultage.de/wp-content/uploads/2025/10/Lageplan-TU-2026.pdf [Zuletzt abgerufen am 08.07.2026].
- Schalyo, Tobias (2026): Vegane Mensa: Die vegan-freundlichsten Mensen Deutschlands 2026. Verfügbar unter: https://www.peta.de/veganleben/vegane-mensa/ [Zuletzt abgerufen am 08.07.2026].
Barrierefreie und nachhaltige Mobilität seit 1984
Die H-Bahn ist seit 1984 auf dem Campus der TU Dortmund in Betrieb und verband zunächst den Nord- und Südcampus. Ein späterer Anbau an die S-Bahn und den Technologiepark erweiterten das Langzeitprojekt (DSW21a, 2014).
Die H-Bahn der TU Dortmund punktet durch ein besonders flächen- und ressourcenschonendes Konzept. Da die Trasse auf Stützen verläuft, bleibt die Bodenversiegelung minimal und im Betrieb fährt die Bahn dank des Elektroantriebs vor Ort komplett emissionsfrei. Zudem nutzt das System ein regeneratives Bremssystem, das die Bremsenergie direkt wieder ins Netz zurückspeist. Ein integriertes Backup-System sichert die Weiterfahrt bei Systemausfällen, sodass keine Leerfahrten entstehen und keine Ersatzfahrzeuge erforderlich sind (Ruhrgebiet-Industriekultur, o. D.).
Finanziert durch das 1979 beschlossene Aktionsprogramm Ruhr der Landesregierung NRW, beliefen sich die Kosten für die erste, 1,05 Kilometer lange Strecke mit zwei Fahrzeugen auf 24 Millionen DM. 1993 wurde die erste Erweiterung fertiggestellt: Die Stationen Eichlinghofen und S-Bahn Universität, sollten zur weiteren Mobilität auf dem Campus beitragen und sind 900 Meter lang. Eine weitere 1212 Meter lange Verlängerung in den nahe gelegenen Technologiepark wurde am 19. Dezember 2003 eröffnet, wobei sich die Kosten für diesen Abschnitt auf insgesamt 15,5 Millionen Euro beliefen (Horst 2024).
Auch sozial ist die H-Bahn nachhaltig, da sie vielen ermöglicht, ohne Auto vom Nord- zum Südcampus zu gelangen, was für viele nicht finanzierbar wäre. Somit fördert die H-Bahn die Schwächung sozialer Ungleichheiten. Dabei ist die H-Bahn im Vergleich zu verschiedenen Routen zu Fuß laut Google Maps um 9 bis 14 Minuten schneller. Zudem ist sie deutlich barriereärmer als die verschiedenen Wege zu Fuß, da sie einen stufenlosen Einstieg ermöglicht, wohingegen die Fußwege alle Treppen aufweisen oder sich durch Umwege deutlich verlängern. Die H-Bahn ist zudem mit einer Verfügbarkeit von 99% seit ihrer Inbetriebnahme sehr zuverlässig (DSW21b 2024:16).
Um die H-Bahn nutzen zu dürfen, wird zwar ein Ticket benötigt, dieses ist jedoch im Semesterticket/Deutschlandticket inkludiert. Für Menschen mit Behinderungen und ihre Begleitpersonen ist es möglich, die H-Bahn unter bestimmten Vorraussetzunge, wie dem Besitz einer Berechtigung der Schwerbehinderten Person (Beiblatt mit Wertmarke) oder eine Begleitperson sofern diese eingetragen ist, kostenlos zu nutzen (sehnetz 2013). Das H-Bahnnetz soll in Zukunft vom Campus Nord zur Haltestelle “Theodor-Fliedner-Heim“ verlängert werden und die Universität mit der Stadtbahnlinie U42 verbinden (DSW21 2025). Dadurch soll die Universität besser an die Innenstadt angebunden werden.
Kritisch anzumerken ist, dass es zum Zeitpunkt der Erstellung des Textes (Juli 2026), zwar Informationen für Menschen mit Behinderungen gibt, diese aber nicht explizit für die H-Bahn verfügbar sind und auch die Haltestellen nicht in der DSW21 eigenen Website als barrierefrei oder bedingt barrierefrei gelistet sind (DSW21 o. J).
Literaturverzeichnis:
- Delkus, Horst (2024). Die H-Bahn in Dortmund verbindet als erstes vollautomatisches Verkehrsmittel zwei Uniflächen. Verfügbar unter: https://www.nordstadtblogger.de/die-h-bahn-in-dortmund-verbindet-als-erstes-vollautomatisches-verkehrsmittel-zwei-uniflaechen/ [abgerufen am 12.07.2026]
- DSW21 (2025): Vorbereitungen zum H-Bahn-Ausbau schreiten voran. Verfügbar unter https://www.bus-und-bahn.de/news-details/vorbereitungen-zum-h-bahn-ausbau-schreiten-voran [abgerufen am 12.07.2026].
- DSW21 (o. J): Barrierefreiheit. Verfügbar unter https://www.bus-und-bahn.de/barrierefreiheit [abgerufen am 12.07.2026].
- DSW21 (2024a): 40 Jahre H-Bahn in Dortmund. Verfügbar unter: https://www.bus-und-bahn.de/news-details/40-jahre-h-bahn-in-dortmund [abgerufen am 12.07.2026]
- DSW21 – Dortmunder Stadtwerke AG (2024b): Innovativ und klimafreundlich. einundzwanzig. S. 16–17. Verfügbar unter issuu.com/dsw21/docs/2024-21-2 [abgerufen am 12.07.2026].
- Ruhrgebiet-Industriekultur (o. D.): Die H-Bahn der TU Dortmund. Verfügbar unter: https://www.ruhrgebiet-industriekultur.de/h-bahn/ [abgerufen am 12.07.2026]
- sehnetz (2013): H-Bahn Dortmund. Seh-Netz e.V.. Verfügbar unter https://www.oepnv-info.de/freifahrt/informationen/nordrhein-westfalen/schwebebahnen-hochbahnen-nordrhein-westfalen/h-bahn-dortmund#more-386 [abgerufen am 12.07.2026].
Bei Fragen zur Seminarreihe wenden Sie sich gerne an:
Weitere Informationen
Quelle
Helling, Klaus. (2025): Die Verantwortung der Hochschulen für mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit. In: Kramer, Matthias. (Hrsg.): Systemische Nachhaltigkeit, SDG - Forschung, Konzepte, Lösungsansätze zur Nachhaltigkeit. Springer Fachmedien, Wiesbaden. S. 313–329.















